Konferenz

"Materializing the Transient:
Zur Rolle von Ethnographien und
Museen in der Erforschung von
Flucht und Migration".
Göttingen, 14.-16. Mai 2020

Materialität ist eine grundlegende Dimension von Migration, die
eng mit Zeitlichkeit verbunden ist und erst kürzlich Einzug in die
Migrationsforschung gehalten hat.
Im Zuge von Migrationsprozessen nehmen Menschen Dinge mit,
oder sie verlieren oder finden Dinge auf dem Weg.
Reisen selbst werden eingerahmt von Objekten wie Grenzen,
Pässen, Zelten und anderen Lager-Infrastrukturen, Booten und
nicht zuletzt Mobiltelefonen.

Für Menschen, die unterwegs sind, können einige dieser Dinge
Erinnerungen hervorrufen, manche sind mit Ohnmacht oder Verlust
verbunden, manche mit Hoffnungen und Sehnsüchten, während
andere Dinge ihre Relevanz auf dem Weg einbüßen.

Panels

Ziel der Konferenz ist es, die Ergebnisse von Studien über materielle Dimensionen von Flucht und Migration in verschiedenen Settings weltweit zusammenzuführen. Die Präsentationen stützen sich auf theoretisch fundierte ethnographische Fallstudien, die auf dichter Beschreibung basieren.

Fünf Hauptthemen werden die Konferenz strukturieren. Sie werden sowohl einzeln in eigenen Panels und Workshops behandelt als auch systematisch zusammengeführt und miteinander verwoben:

Zeitlichkeit ist ein entscheidender Aspekt des Verhältnisses von Materialität mit Flucht und Migration und wird daher ein übergreifendes Thema der Panels und öffentlichen Vorträge sein.

In Panel I werden die verschiedenen methodischen Stärken, Herausforderungen, Grenzen und Fallstricke der Flucht- und Migrationsforschung thematisiert.

Migration und Dinge rufen in vielerlei Hinsicht leidenschaftliche Reaktionen hervor. Daher wird sich Panel II mit den Emotionen, die mit "bewegten Objekten" verbunden sind, sowohl in Migrationskontexten als auch in öffentlichen Debatten beschäftigen.

Die materiellen und zeitlichen Bedingungen von Flüchtlings(-Lagern) werden Gegenstand von Panel III sein. Hier werden die Konsequenzen dieser politischen und logistischen Infrastrukturen untersucht.

Panel IV wird sich mit Repräsentationen von Migration beschäftigen. Neben den (sozialen) Medien wird in dieser Sektion ein besonderer Fokus auf das Museum als eine sich verändernde Zone der Repräsentation, der Rezeption, des Kontakts und der Interaktion gelegt.

Programm

Mittwoch, 13.05.2020 (Tagungszentrum an der Sternwarte)

16:00-17:30Anmeldung
17:30-18:00Eröffnung der Konferenz
18:00-19:30Konferenz Keynote: Georgina Ramsay (University of Delaware)

Donnerstag, 14.05.2020 (Tagungszentrum an der Sternwarte)

09:30-12:45

Panel 1: “On the materiality of (forced) migration: Methods”

Panel Keynote: Marta Vilar Rosales (University of Lisbon)
14:00-17:00

Panel 2: “On the materiality of (forced) migration: Emotions“

Panel Keynote: Maruška Svašek (Queen’s University Belfast)

Freitag, 15.05.2020 (Friedland Grenzdurchgangslager und Museum)

09:30-12:45

Panel 3 “On the materiality of (forced) migration: Representations“

Panel Keynote: Burcu Dogramaci (LMU München)
13:45-16:15

Führungen durch das Museum Friedland & das Grenzdurchgangslager Friedland (GDL),

Poster Präsentationen

Samstag, 16.05.2020 (Tagungszentrum an der Sternwarte)

09:30-12:45

Panel 4: “On the materiality of (forced) migration: The Camp”

Panel Keynote: Simon Turner (University of Copenhagen)
13:45-15:00Abschließende Diskussionen und Bemerkungen

Redner*innen

Georgina Ramsay (University of Delaware)

Assistant Professor am Institut für Ethnologie an der University of Delaware. Ihre Feldforschungen mit Geflüchteten aus der Demokratischen Republik Kongo, Ruanda und Burundi führte sie in Uganda und Australien durch. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Fluchtmigration, Staatsbürgerschaft und Souveränität, Zeit und Temporalität. Georgina Ramsays jüngste Veröffentlichungen umfassen ihr Buch "Impossible Refuge: The Control and Constraint of Refugee Futures" und ihren Artikel "Time and the other in crisis: Howanthropology makesits displaced object", der 2019 in "Anthropological Theory" erschienen ist. Mehr Informationen zu ihren Forschungen, Tätigkeiten und Veröffentlichungen finden Sie hier.

Marta Vilar Rosales (University of Lisbon)

Ethnologin mit einem Fokus auf materielle Kultur und Konsumtion, portugiesische Migrationen und Migrationsbewegungen im portugiesischsprachigem Raum, Kolonialismus und Post-Kolonialismus und Medienethnologie. Seit 2014 ist sie research fellow am Institute of Social Sciences an der University of Lisbon. Zurzeit ist sie Principal Investigator des projektes "TRANSITS - Material Culture, Migration and Everyday Life". Das Forschungsprojekt untersucht die Zirkulation von Menschen und Dingen mit dem Fokus auf vier Städte (Berlin, Lissabon, Luanda und Sydney). Weitere Informationen zum Projekt und Marta Vilar Rosales' Forschungen finden Sie hier.

Maruška Svašek (Queen’s University Belfast)

Wissenschaftlerin an der School of History and Anthropology der Queen’s-University in Belfast. Sie studierte Kunst in Groningen und Ethnologie an der Universität Amsterdam. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich u.a. mit den folgenden Themenbereichen: Emotionen, Migration, materielle Kultur, transnationale Familien und Kunst. Zu ihren Publikationen gehören ‚‚Emotions and Human Mobility Ethnographies of Movement‘‘ (Routledge 2012) und ‚‚Moving Subjects, Moving Objects: Transnationalism, Cultural Production and Emotions‘‘ (Berghahn 2012). Weitere Informationen zu Maruška Svašek finden Sie hier.

Burcu Dogramaci (LMU München)

Professorin der Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach ihrem Studium der Kunstgeschichte und Germanistik spezialisierte sie sich auf das Themenfeld der Kunstgeschichte von 1900 bis zur Gegenwart. Zu ihren Schwerpunkten gehören Migration und Exil, Fotografie und Fotobuch, Mode, Filmkostüm und –architektur, Urbanität und Kunst. Sie ist Mitgründerin des DFG-Netzwerkes ‚‚Entangled Histories of Art and Migration‘‘ (2018-2021) und forscht in ihrem aktuellen ERC-Projekt ‚‚Relocating Modernism: Global Metropolises, Modern Art and Exile‘‘ (2017-2022) zu sechs globalen Metropolen als Ankunftsstädte für geflüchtete Künstler*innen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Weitere Informationen zu diesem Projekt und Burcu Dogramacis Forschungen sind hier verfügbar.

Simon Turner (University of Copenhagen)

Simon Turner ist Associate Professor am Centre for Advanced Migration Studies (AMIS) an der Universität Kopenhagen. In seiner Forschung hat er sich unter anderem auf die Themen "humanitarian governance" und den Alltag in Flüchtlingslagern spezialisiert. In seinem aktuellen Forschungsprojekt beschäftigt er sich mit Hoffnung und Verzweiflung unter burundischen Geflüchteten in Nairobi und Kigali. Momentan leitet er ein Forschungsprojekt zu Flüchtlinglagern als ‘carceral junctions’, das die Lager als Orte von Mobilität und "stuckness" untersucht. In seiner zukünftigen Forschung wird er alltäglichen Humanitarismus in Tansania untersuchen. 2019 veröffentlichte er ‚‚Reflections on Life in Ghettos, Camps and Prisons: Stuckness and Confinement‘‘ (Simon Turner und S. Jensen (eds.)). Weitere Informationen zu Simon Turner finden Sie hier.

Tagungsorte

  • Tagungszentrum an der Sternwarte
    Geismar Landstr. 11b
    37083 Göttingen
  • GDL Friedland
    Heimkehrerstr. 18
    37133 Friedland
  • Museum Friedland
    Bahnhofstr. 2
    37133 Friedland
  • Hauptbahnhof Göttingen
    Bahnhofspl. 1
    37073 Göttingen
  • Bahnhof Friedland
    Friedland(Han)
    37133 Friedland
  • Institut für Ethnologie
    Theaterstraße 14
    37073 Göttingen
  • Leine Hotel
    Groner Landstr. 55
    37081 Göttingen

Organisationsteam

Friedemann Yi-Neumann

Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Koordinator des Projektes "Zur Materialität der Migration", email.

Antonie Fuhse

Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Koordinatorin des Projekts "Zur Materialität der Migration", email.

Andrea Lauser

Leiterin des Projektes "Zur Materalität der Migration".

Joachim Baur

Ausstellungsmacher, Die Exponauten.

Peter Bräunlein

Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt "Zur Materalität der Migration".