Impulse

Publikationen

Brunner, K. L., Yi-Neumann, F. & Bayat Tork, M. (2020)

Migrantische Alltagserfahrungen in Göttingen. Ausgrenzung, Allianzen und die Schaffung 'eigener' urbaner Orte. In: Sabine Hess (Hrsg.) Was macht eine Stadt für alle aus? Impulse und Empfehlungen für ein solidarisches Göttingen. Göttingen: Center for Global Migration Studies. Universität Göttingen. S. 50-52.

Hahn, Hans Peter und Friedemann Neumann (Hrsg.) (2019)

Das neue Zuhause. Haushalt und Alltag nach der Migration. Frankfurt: Campus.

Neumann, Friedemann (2019)

„Kein Läufer, kein Balkon. Eine Phänomenologie des Ankommens in einer (post‐)migrantischen Gesellschaft“. In H. P. Hahn & F. Neumann (Hrsg.), Das neue Zuhause. Haushalt und Alltag nach der Migration. Frankfurt: Campus, S. 141-158.

Neumann, Friedemann und Hans Peter Hahn (2019)

"Between Things. Situating (Post-)Migration and Material Culture in Social Space." In M. Halatcheva-Trapp, G. Montanari, & T. Schlinzig (Hrsg.), Family and Space. Rethinking Family Theory and Empirical Approaches, London: Routledge/Taylor & Francis, S. 34-45..

Neumann, Friedemann (2018)

„Materialität − Referenz − Rhythmus. Einschreibungen, Brüche und Verschiebungen des transkulturellen Alltags“. In H. P. Hahn & F. Neumann (Hrsg.), Dinge als Herausforderung. Bielefeld: transcript, S. 33-48 (open access).

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Inspirationen

100 Histories of 100 Worlds in 1 Object

Wie viele Geschichten kann ein Museumsobjekt haben?
Ausgangspunkt für das Projekt ist eine Sendung von BBC Radio 4 aus dem Jahr 2010 (und das daraus entstandene Buch): "Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten", erzählt vom damaligen Direktor des British Museums, Neil MacGregor. Die Sendung bot eine Plattform für das British Museum und führte die Idee des Museums als "Blick aus dem Nichts" und von überall gleichzeitig wieder ein. Museen wurden als Orte präsentiert, von denen aus man die Welt sehen kann, ohne jedoch darüber nachzudenken, wie die Institution selbst die Objekte beschafft und arrangiert hat, um eine eigene, scheinbar universelle Erzählung zu schaffen.

Das dynamische, langfristige und vielformatige Publikationsprojekt "100 Histories of 100 Worlds in 1 Object" hofft, mehr als nur eine alternative Geschichte des British Museum zu erreichen. Stattdessen arbeiten seine Mitstreiter*innen auf eine Verschmelzung von Objektgeschichten und musealen Hinterlassenschaften durch und mit transnationalen Wissenschaftler*innen, Kurator*innen und Künstler*innen im und aus dem "Globalen Süden" hin. Erste Objektbiographien in Form von Essays sind bereits hier verfügbar. Es bleibt spannend, mitzuerleben, wie sich das Projekt weiter entwickelt!

bi’bak: "Bitter Things"

bi’bak (Türkisch: Schau mal) ist ein Kollektiv und Projektraum mit Sitz in Berlin, mit einem Fokus auf transnationale Narrative, Migration, globale Mobilität und ihre ästhetischen Dimensionen.

Die Ausstellung "BITTER THINGS – Narrative und Erinnerungen transnationaler Familien" ist ein forschungsbasiertes Projekt, das die Auswirkungen von Arbeitsmigration auf Mutterschaft und Familie aus der Perspektive von Arbeitsmigrant*innen und ihren Kindern untersucht. Nach der Eröffnung in Istanbul war die Ausstellung in Berlin, Köln, Oberhausen und Frankfurt sowie derzeit in Timisoara, Rumänien, zu sehen.

Ein deutschsprachiges Booklet steht hier zum Download bereit.

"Dirty Messages": ein Kunstprojekt von Thaer Maarouf

Der Wiener Konzeptkünstler Thaer Maarouf spricht im Rahmen dieses Projekts die Themen Flucht, Migration und Asyl(politik) an. Er hat zwölf Pakete an Staatsoberhäupter in aller Welt verschickt - darin die Schuhe, die Menschen auf der Flucht getragen haben.

Als Objekte sind die Schuhe eine symbolische Repräsentation der persönlichen Schicksale einzelner Geflüchteter, die auf ihrer langen Reise an einem bestimmten Punkt angehalten wurden, bevor sie ihr eigentliches Ziel erreichen konnten: einen Ort, der Sicherheit und Schutz bietet. Während die Schuhe als Teil eines Kunstprojekts problemlos Grenzen überwinden und auf legalem Weg sicher an ihr Zeil gelangen können, sind Menschen auf der Flucht oftmals Gefahren und unüberwindbaren Barrieren ausgesetzt.

Neben der Teilnahme an einer Ausstellung in Wien 2017 haben Jakob Haueisen (Regie) und Markus Klaes (DOP) einen Film über "Dirty Messages" gedreht.

Ausstellungsrezension von "FASAHAT: weil es unsere Geschichte ist" in der Galerie im Turm, Berlin

Die Ausstellung "FASAHAT: weil es unsere Geschichte ist" ist aus einem von der Künstlerin Nahed Mansour initiierten, partizipatorischen Kunstprojekt hervorgegangen, in welchem Bewohner*innen des AWO Refugiums in Berlin-Kladow in ihrer Unterkunft intervenierten.

Während in Museen historische Artefakte von Menschen und ihrer Gegenwart isoliert bleiben, werden in den Unterkünften Menschen von ihrer Geschichte getrennt. In dieser Ausstellung schaffen die Künstler*innen von FASAHAT einen Zwischenort in der Galerie im Turm, an dem sie mit hybriden Monumenten einen Brückenschlag zwischen Vergangenheit und heutigen Lebensrealitäten ermöglichen. Die Rezension von Christina-Marie Lümen mit dem Titel "Debatte und Hoffnung" ist zugleich eine umfangreiche Dokumentation der bis zum 25.10.2020 gezeigten Ausstellung. Die Autorin stellt darin resümmierend fest: "Die Stimmen [der Ausstellung] sind vielseitig und nicht letztlich festgelegt, wie auch die Ausstellung selbst. Trotz ihrer unaufgeregten Form sind beide stark und bestimmt."

Hier geht's zur Rezension, eine Video-Reportsage von Amal! Berlin zur Ausstellung finden Sie hier.

Das interdisziplinäre und kollaborative Projekt "Sharing Stories. Dinge Sprechen."

Das Projekt „Sharing Stories. Dinge sprechen“, das von 2015-2017 am Welt Museum Wien angesiedelt war, hat es sich zur Aufgabe gemacht, partizipativ neue Formen des musealen Sammelns zu erproben und bisherige Sammlungspraxen etablierter Institutionen zu hinterfragen. Ziel war es zum einen die Dinge zum Sprechen zu bringen, zum anderen diese Dinggeschichten zu teilen. So sollten Debatten die lediglich „Andersartigkeiten“ betonen durch Perspektiven auf materielle, diverse und transkulturelle Bezüge dialogisch unterlaufen werden. Die Vielfältigkeit der Bezüge zu den Dingen spiegelt letzten Endes auch die Vielfältigkeit und Komplexität von Gesellschaften wieder, wie dieses Projekt anhand von zahlreichen Objektgeschichten verdeutlicht.

Outcast Europe: Memories of Displacement and Movement

Das Projekt “Outcast Europe” sammelt und stellt Objekte aus, die geflüchtete Menschen auf ihrer Suche nach einem besseren Leben innerhalb Europas mitnahmen. Es nutzt die Ob­jekte der Menschen als Ausgangspunkt, um von ihren zahlrei­chen Erfahrungen zu berichten. Es werden u.a. die Fragen gestellt, welche un­terschiedlichen Funktionen Objekte auf Flucht­wegen einnehmen können und was aus den Ge­schichten der Menschen für heutige gesellschaft­liche Prozesse gelernt werden kann. Über die Rubrik „Share your Story“ ist es außerdem mög­lich, eigene Objekte und Geschichten hochzu­laden, die die Sammlung erweitern. Hier geht’s zur Projektseite.

Transient Matter: Assemblagen der Migration im Mittelmeer

Die Ausstellung Transient Matter wurde auf Basis einer Feldforschung von Yannis Hamilakis in Griechenland konzipiert, die seit 2016 in Kooperation mit der lokalen Bevölkerung der Insel Lesbos und den dort lebenden Migrant*innen durchgeführt wurde. Das Display thematisiert im Zuge von Grenzüberschreitungen zurückgelassene Dinge, wie etwa Rettungswesten. Das Projekt fragt: Was können die materiellen ‚Überbleibseln‘ von Grenzüberschreitungen, oftmals als ‚Umweltverschmutzung‘ bezeichnet, erzählen? Wie kann mit Dingen und Bauwerken, die durch staatliche Autoritäten oder durch migrierende Menschen selbst geschaffen wurden - wie Kunstwerke, handgefertigte oder Alltagsgegenstände - umgegangen werden? Was geschieht, wenn diese Dinge zu Musemsobjekten werden?

Die Ausstellung öffnete am 20. Februar 2020 in der Galerie des „Haffenreffer Museum of Anthropology“, auf dem Campus der Brown-Universität, Rhode Island (US). Aufgrund der COVID-19-Pandemie hat das Team eine Online-Version von Transient Matter entwickelt, die nun verfügbar ist. Infos über einen Sammelband zum Thema gibt es hier.

Die Kurator*innen sind: Yannis Hamilakis, L. Darcy Hackley, Sherena Razek und Ayşe Şanlı.

Integration: Eine deutsche Sache

Von Lea Frehse, Henning Susebach (Text), Jewgeni Roppel (Bilder) ZEIT ONLINE 2018/37

„Was ist ihr deutschester Gegenstand?“ – Diese Frage stellen Frehse, Susebach und Roppel in ihrem Artikel an Menschen, die seit sie aus unterschiedlichen Ländern migriert sind nun schon einige Jahre in Deutschland leben. Neben einem Aktenordner, in dem alle wichtigen, in Deutschland erhaltenen Dokumente abgeheftet wurden, einer von einem Hamburger Weihnachtsmarkt mitgebrachten Tasse und einem Käsehobel werden noch viele weitere Objekte zur Sprache gebracht, die zu einem Ausgangspunkt für Anekdoten und Erzählungen von den Erfahrungen der Menschen werden. Auf eindrückliche und unterhaltsame Weise wird der Prozess des Ankommens und des Lebens in Deutschland anhand der für die Menschen besonders wichtig gewordenen Dinge illustriert.

Rezension zu Johanna Di Blasi: "Das Humboldt Lab. Museumsexperimente zwischen postkolonialer Revision und szenografischer Wende"

Wie funktionieren museale Laboratorien? Was sind ihre Chancen, was mögliche Kritikpunkte und wie können sie in globalen und museumspolitischen Debatten verortet werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Di Blasi in ihrer 2019 erschienenen Monographie in Bezug auf das Humboldt Lab, das seit über vier Jahren im Südwesten Berlins steht und die Bereiche Kunst, Design und Ethnologie vereint (erschienen im transcript Verlag). Ina Heumann vom Museum für Naturkunde Berlin setzt sich in ihrer Rezension für H-Soz-Kult detailliert mit der Monografie auseinander und stellt ihre vielschichtigen Aspekte heraus. Ihr Text bietet einen tiefen Einblick in die Museumsethnographie und ist somit für alle interessant, die sich für die Entwicklung der deutschen Museumslandschaft, die Verbindung von Ethnologie und Kunst und die (Un-)Möglichkeiten musealer Laboratorien, z.B. in der Verhandlung zentraler Themen wie Postkolonialismus, auseinandersetzen möchten. Hier gehts zur Rezension.

Neuerscheinung: Philipp Schorch, Martin Saxer und Marlden Elders: "Exploring Materiality and Connectivity in Anthropology and Beyond"

Das Sammelwerk Exploring Materiality and Connectivity in Anthropology and Beyond nimmt sich der methodologischen Herausforderung an, Dinge und ihre affektiven Verbindungen zu den sie umgebenden Lebenswelten konzeptuell fassen zu können. Durch vielfältige ethnografische Fallbeispiele, die sowohl ‚greifbare‘ Objekte und ihr Wirken auf Menschen und Räume beschreiben, wie auch Materialität in der Form von Nebel oder Rauch thematisieren, die sich den strikten Dichotomien von ‚Objekt‘ und ‚Bezugspunkt‘ entzieht, werden gesellschaftliche Prozesse und individuelle menschliche Lebensrealitäten erläutert. Daneben ist sowohl der Ablauf des Symposiums, in dem das Werk entstanden ist, wie auch einzelner Workshops geschildert, in denen aktiv mit Objekten und ihren Geschichten interagiert wurde. Letztlich wird das Konzept der „thing ̴ties“, fußend auf den empirischen Ergebnissen der einzelnen Forschungen, präsentiert, das die Wechselwirkung von Objekten und ihren Verbindungen zu unterschiedlichen Mensch- und Dingwelten ausdrücken soll. Hier gehts zum Buch.

Grenzen & Enteigung

Die Los Angeles Times berichtet über einen Hausmeister, der bewahrte und dokumentierte, was Migrant*innen in der Grenzhaft genommen wurde.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Entzug von Rechten und der Enteignung von Sachbesitz? Tom Kiefer, ehemaliger Hausmeister eines Migrationsgefängnisses in Arizona, nahe der US-mexikanischen Grenze, und Fotograf, hat darüber eindrücklich Zeugnis abgelegt. Er sammelte persönliche Gegenstände, die den Menschen im Grenzgewahrsam weggenommen wurden, weil Grenzbeamten diese Dinge als "tödlich" oder "entbehrlich" eingestuft haben. Darunter fielen lebenswichtige Medikamente, Hygieneartikel wie Zahnbürsten, Lebensmittel, und Kanister, die die Menschen bei sich trugen, um beim Überqueren der Wüste der Grenzregion genügend Wasser dabei zu haben. Außerdem hatten die Leute Musik-CDs oder Dinge bei sich, die sie mit ihren Liebesten verbanden, wie zum Beispiel ein Tagebuch, dass einer Frau namens „Blanca“ gewidmet war. Einen Blick auf das zu werfen, was den Menschen weggenommen wird, macht die Folgen von Illegalisierung und Enteignung erschreckend greifbar.

Immigration Museum Melbourne

Australien hat eine lange und komplexe Migrationsgeschichte. Mit dieser und der daraus resultierenden Diversität der australischen Gesellschaft beschäftigt sich seit 1998 das Immigration Museum in Melbourne. Neben den Ausstellungen wie „Immigrant Stories and Timeline“ oder „Identity: yours, mine, ours“, organisiert das Museum unterschiedlichste Aktivitäten, an denen die Besucher*innen teilnehmen können. Die Aktivitäten entstehen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren: Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und den Menschen vor Ort. Aus dem Projekt mit der Schriftstellerin und Kulturhistorikerin Maria Tumarkin und sound artis Thembi Soddell entstand „The Unending Absence“ eine inspirierende Reihe an Audio-Clips aus der Perspektive von Migrant*innen.

Eigensinn im Bruderland

Diese Webdokumentation informiert über die Geschichten von Migrant*innen, die über verschiedene Wege in die DDR gekommen sind. In Videoclips erzählen Menschen aus Äthiopien, Vietnam, Chile, Mosambik und der Türkei von ihren Erfahrungen im sozialistischen Bruderstaat. Die Hintergründe der Migration in die DDR werden durch Einführungstexte, Akten der DDR-Behörden und Bilder erläutert. Die Webdokumentation vermittelt durch die Verwendung dieser unterschiedlichen Quellen ein vielschichtiges Bild von der Migration in die DDR.

Die Webdokumentation "Eigensinn im Bruderland" finden sie hier.

Camps, Ruinen und die visuelle Repräsentation der "Flüchtlingskrise"

In diesem spannenden, teils persönlichen Fotoessay befassen sich der Ethnologe Dimitris Dalakoglou und der Fotograf Yannis Ziindrilis mit den ethischen Schwierigkeiten, die eine visuelle Repräsentation der sogenannten „Flüchtlingskrise“ mit sich bringt. Sie fragen, wie Wissenschaftler*innen durch ihre Arbeit Repräsentationen von Geflüchteten schaffen können, die den vorherrschend widersprechen, welche (Flucht-)Migration vor allem als Bedrohung darstellen. Dalakoglou und Ziindrilis wählen das Medium des Fotoessays, einer Kombination von Text und Bild, um die „Flüchtlingskrise“ darzustellen und diese direkt mit der politischen und wirtschaftlichen Krise Europas in den frühen 2000ern in Verbindung zu bringen. In den Fotos wird die Materialität der beiden „Krisen“ gemeinsam abgebildet – die Ruinen der politischen und wirtschaftlichen Krise und die Flüchtlingslager – und somit das Argument der Autoren, dass die „Flüchtlingskrise“ ein Ausdruck der politischen und wirtschaftlichen Krise Europas ist, visualisiert. Hier geht es zum Fotoessay.

Ausstellungsrezension von "Migration bewegt die Stadt. Perspektiven wechseln" im Münchner Stadtmuseum

München war und ist Einwanderungsstadt. Aus dieser Perspektive erforschen seit 2015 das Münchner Stadtmuseum und das Stadtarchiv München gemeinsam die Geschichte und Gegenwart der bayerischen Landeshauptstadt seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die Gegenwart. Die Ausstellung ist vom 21. September 2018 bis zum 29. Dezember 2019 zu sehen. Der an der Justus-Liebig-Universität Gießen promovierende Historiker und Migrationsforscher Francesco Vizzarri hat die Ausstellung besucht und bespricht sie auf hsozkult wort- und bilderreich. Abschließend benennt er ihr zentrales Element: Durch de-ethnisierende und transkulturelle Ansätze sei die Ausstellung keine 'xenologische' Präsentation von Gegenständen, kein Teil eines Museums, das ein Ort des Wissens und des Diskurses über andere sein will. Vielmehr sei sie als Labor, als 'sozialer Ort' der Begegnung und Diskussion gedacht, als Ort der Inklusion und nicht nur der (reinen) Integration, wo man in einem wahrhaft 'post-migratorischen' Sinne (nach)denken und voneinander lernen könne. Hier gehts zur Rezension.

Rezension zu Leora Auslander und Tara Zahra: "Objects of War. The Material Culture of Conflict and Displacement"

Welchen spezifischen Zugang zur Vergangenheit ermöglichen Objekte? Welche vergangenen Begebenheiten können sie bezeugen? Wie unterscheidet sich der Aussage-Inhalt materieller Objekte von demjenigen, den Schrift- oder Bildzeugnisse vermitteln? Die Historikerinnen Leora Auslander und Tara Zahra folgen als Herausgeberinnen dem Anspruch, Vergangenheit und Wege der Überlieferung mit objektbasierten Herangehensweisen zu erkunden. Erschienen bei Cornell University Press.

Dr. Lisa Regazzoni vom Historischen Seminar der Universität Frankfurt hat den Sammelband für hsozkult rezensiert. Besonders nachvollziehbar erlaubt die Autorin einen Einblick in die drei Themenschwerpunkte des Buches, die die Bewegung von Objekten in verschiedenen Gewaltkontexten analysieren und bietet drei Lesarten an. Dabei betrachtet sie die Thesen der Autor*innen kritisch und stellt dennoch fest, dass die Publikation einen wichtigen und vielseitigen Beitrag leistet. Hier gehts zur Rezension.
(Bildquelle).

Rezension zu Tim Wolfgarten: "Zur Repräsentation der Anderen"

Was wird über Bilder in Themenausstellungen zu Migration inhaltlich vermittelt und welche Affekte werden über die formale Bildgestaltung aufgerufen? Das sind die zwei zentralen Leitfragen der Studie, für die insgesamt 814 Ausstellungen erhoben wurden. Erschienen im transcript Verlag. Violetta Rudolf vom Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam hat die Dissertation, eine erziehungswissenschaftliche Studie, für hsozkult umfassend rezensiert. Ihr Text bietet einen fundierten Einblick und lässt erahnen, dass das vorgestellte Buch auch für fachfremde Lesende eine Bereicherung ist. Hier gehts zur Rezension.

Neuerscheinung: Elena Höpfner: "Menschen auf der Flucht und die Bedeutung ihrer Dinge"

Im Rahmen einer qualitativen Studie entwickelt Elena Höpfner nach offenen Interviews mit geflüchteten Menschen eine gegenstandsbezogene Theorie im doppelten Sinne. Sie untersucht, welche Dinge Menschen mit auf die Flucht nehmen und welche Rolle diese Dinge für die Flüchtenden spielen. Erschienen bei Springer VS. Hier gehts zum Inhalt.

Neuer Text von Manuela Bojadžijev und Regina Römhild: "Was kommt nach dem »transnational turn«? Perspektiven für eine kritische Migrationsforschung!"

Kritische Migrationsforschung, muss, so das Berliner Labor Migration, mit einer Kritik der Migrantologie und der von ihr geprägten Kategorien beginnen: Kategorien, die in den authentisch gehaltenen Geschichten der Wissenschaft re/produziert werden und das politische Branding der Bevölkerung nach ethnischen, religiösen oder kulturellen Identitäten erst ermöglichen. Die Autorinnen fordern eine radikale Kritik und werfen gleichzeitig die Frage auf, was von der Migrationsforschung bleibe, wenn jene Kategorien verworfen werden. Die BERLINER BLÄTTER erscheinen im Panama-Verlag. Hier gehts zur Ausgabe 65/2014.

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Diskussionen

Virtual Experience für mehr Empathie?

Diese Frage stellt sich bei "Have Your Passport Ready." Das vom britischen Knaïve Theatre beuftragte und geförderte digitale Theaterstück "Have Your Passport Ready. A new gaming adventure in the hostile environment." ist ein Virtual Experience Game über das Leben von Geflüchteten nach der Flucht und über die Erkenntnis, dass das Erreichen eines Asylortes nur der erste Akt auf einer brutalen Reise ist. Es ist ein interaktives, autobiographisches Werk der beiden in Syrien geborenen Brüder Khaled und Mohammad Aljawad, das für die Eröffnungssaison der Knaïve Theatre Presents: A Digital Lyceum und das vom Stand and Be Counted Theatre produziert wurde.
Ein Durchlauf durch Fragen wie Ich wurde verfolgt aufgrund von... Rasse/ Religion/ politischer Einstellung/ Sonstiges und Warnungen wie If you don't attend your designated appointment you will be deported, zeichnet ganz bewusst ein bedrohliches Szenario. "Have Your Passport Ready" wirkt absurd-provokativ bis entmutigend - und ist besonders aufschlussreich für diejenigen User*innen der Mehrheitsgesellschaft, die sich wahrscheinlich nie durch das administrative Dickicht rund um Asylfragen (werden) kämpfen müssen. Die Abschiebung lauert stets - und eine 'falsche' Antwort kann über das eigene Schicksal entscheiden...
Hier kann das 'Spiel' noch bis zum 12. Dezember online gespielt werden.

HOMInG Interview mit Peter Bräunlein

Inwiefern sind materielle Artefakte mit Emotionen verknüpft? Worin besteht der Zusammenhang zwischen Objekten, Erinnerungen und Vorstellungen über das eigene Zuhause? Ist dieser Zusammenhang universal? Und was bedeutet es, Objekte in zweifacher Bedeutung als ‚bewegend‘ zu bezeichnen? Luis Eduardo Perez Murcia, tätig im Projekt „HOMInG: The Home-Migration Nexus“ stellte unserem Kollegen und Forscher Prof. Dr. Peter J. Bräunlein diese Fragen und viele mehr. Neben interessanten Diskussionspunkten erhalten die Leser*innen einen Einblick in die ethnografischen Forschungen Bräunleins und seine Forschungsthesen, die auf der diesjährigen EASA-Konferenz vorgetragen wurden. Hier geht’s zum Interview.

Material oder Materialität?

Was ist der Ausgangspunkt einer ethnologischen Betrachtung materieller Kultur? Ist es das Objekt selbst; die Oberfläche, Form, das Material und dessen Eigenschaften? Oder sind es vor allem die Bezugnahmen, Beziehungen und Geschichten des Objektes, die als Ausgangspunkt dienen sollten? Diese grundlegende Debatte führten u.a. die Ethnologen Tim Ingold und Daniel Miller im Rahmen des Journals Archaeological Dialogues. Ihre Argumente und Ideen können in den Artikeln "Materials against Materiality“ (von Tim Ingold) und in "Stone Age or Plastic Age“ (von Daniel Miller) nachgelesen werden. Hier geht's zur Webseite von Cambridge University Press. ©Cambridge University Press

Diasporic Objects

Das Symposium "Diasporic Objects“ des "Research Center for Material Culture“ in stellte zwei Diskussionen zu der Rolle von Objekten in Migrationsprozessen in den Vordergrund. Es wurde thematisiert, inwiefern museal ausgestellte Objekte Menschen und Gesellschaften der Welt miteinander in Verbindung bringen können. Eine Frage war zum Beispiel, welchen Einfluss das Ausstellen der Objekte auf die Kommunikation zwischen den Museumsmacher*innen und Menschen aus den Ursprungsgesellschaften der Objekte hat. Gleichzeitig wurde diskutiert, inwiefern sich migrierende Menschen Objekte in der Konstruktion ihres neuen ‚Zuhauses‘ in der Diaspora alltäglich zu nutzen machen. Ziel dieser Diskussion war es, eine neue Sichtweise auf die Kraft und Wirkung von Objekten zu erhalten und zu verstehen, inwieweit diese weit verbreitete Vorstellungen über das ‚Museum‘, das ‚Zuhause‘ oder die ‚Gemeinschaft‘ aktiv erweitern können.

Die Webseite des Forschungszentrums ist sehr informativ und ein Besuch dieser sehr zu empfehlen!

Kann Technologie das Leben von Geflüchteten verändern?

In ihrem Artikel nimmt Elizabeth Cullen Dunn IKEAS "Better Shelter" Initiative als Ausganspunkt, um permanente Verbesserungen der Situation von Geflüchteten weltweit zu fordern. Sie argumentiert, dass die fundamentalen Probleme von Flüchtlingslagern politischer und nicht technologischer Natur sind. Aus diesem Grund müssen politische Lösungen gefunden werden, die die Menschen aus den Lagern holen und in permanente Häuser, Vollzeitbeschäftigung und ein neues Leben führen. Der komplette Artikel kann hier gelesen werden.

Wie lassen sich mobile Dinge untersuchen und begrifflich fassen?

Diese Frage diskutierte unser Mitarbeiter Friedemann Yi-Neumann am 11. November 2019 an der FH St. Pölten mit Wissenschaftler*innen des Projektes "Mobile Dinge, Menschen und Ideen" sowie Hans Peter Hahn von der Universität Frankfurt. Weitere Informationen zum Workshop erfahren Sie im Bericht. Außerdem finden sie hier Friedemann Yi-Neumanns Handout.

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