Die Unspende – Versuch einer Definition

Als Wohlfahrtsverband in einer Erstaufnahmeeinrichtung ist es der Caritas Friedland ein Hauptanliegen, Klienten und Mitarbeitende bestmöglich zu unterstützen. Die von der Caritas betriebene Kleiderkammer im Grenzdurchgangslager Friedland ist auf Spenden angewiesen. Das nicht immer alle Spenden direkt gebraucht und verwertet werden können, ist selbstverständlich. Manches Mal aber ist es mehr als fraglich, welchen Nutzen die Spenden aufweisen sollen.

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Die Unspende – Versuch einer Definition

Sommer 2019: In den letzten Wochen und Monaten erreichten uns bei der Caritas Friedland immer wieder Spenden, die Verwunderung hervorriefen: ein Karton mit verstaubter und z. T. löcheriger Kleidung in Begleitung von zwei toten Mäusen, ein Set von mit Pilzschaum gefüllten Kochtöpfen, ein Umzugskarton voll mit leeren Shampooflaschen. In Anbetracht dessen stellt sich die Frage, was eine Spende eigentlich ausmacht, und ob man nicht manches Mal eher von eine „Unspende“ sprechen sollte.

Im Beitrag Spenden – wahre oder vermeintliche Wohltätigkeit wurde nach den Beweggründen und der Botschaft gefragt, die Spender*innen mit solchen Zuwendungen verbinden bzw. die sie damit senden. In diesem Beitrag wird der Versuch unternommen, den Begriff Unspende genauer zu betrachten und zu definieren. Voraussetzung dafür ist zunächst das Verständnis von Spenden, was also zeichnet Spenden aus? Nimmt man die Definition des Begriffs Spende genauer unter die Lupe (steuer- und zivilrechtliche Aspekte außenvorgelassen) so wird deutlich, dass der tatsächliche Nutzen einer Spende für deren Definition keine Bedeutung hat. Konkret heißt dies, dass eine Spende, auch wenn sie für die potentiellen Empfänger*innen nicht hilfreich ist, weiterhin eine Spende bleibt. Die alleinige Tatsache, welche eine Spende laut Definition zur Spende macht, ist die freiwillige Zuwendung von Geld oder Sachleistungen für einen religiösen, wissenschaftlichen, gemeinnützigen, kulturellen, wirtschaftlichen oder politischen Zweck.1 Hier zwingt sich eine Frage auf: Welche Zwecke müssen vorliegen, damit diese Kriterien nicht erfüllt sind? Spontan zu nennen wären hier z.B. militaristische oder verfassungsfeindliche Zwecke, doch auch diese lassen sich durch kreatives Argumentieren in die oben genannten Kategorien einbinden. Wir fassen also zusammen: Eine Spende ist eine freiwillige Zuwendung, die ohne Gegenleistung gegeben wird! Es wird deutlich, dass eine weitergehende Differenzierung notwendig ist.

Für uns als im GDL Friedland tätiger Wohlfahrtsverband sollten der Nutzen der Spende, aber auch der Grad des mit der Spende verbundenen Arbeitsaufwands als differenzierende Kriterien im Vordergrund stehen. Aufwand wird hier als eine Form zeitlicher, personeller oder monetärer Kosten verstanden. Explizit zu nennen ist der Mehraufwand, da grundsätzlich jede Spende mit einem gewissen Maß an Aufwand verbunden ist, wie der Spendenannahme, Sichtung, Sortierung und Herausgabe. Dies bedeutet, dass jegliche Spenden, ob monetär oder dinglich einen Nutzen aufweisen, solange die Spenden für die von uns Betreuten auch nützlich sind. Zugleich sollten die Spenden einen gewissen Grad des Mehraufwands aber nicht überschreiten, und das Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen sollte in einem angemessenen Verhältnis stehen. Eine Spende gut erhaltener Kleidung, von den Größen und vom Stil her passend für die Geflüchteten und von ihnen begehrt, die aber klar erkenntlich gewaschen werden müsste, ist mit einem Mehraufwand verbunden, welcher in einem positiven Verhältnis zum Nutzen steht. Das heißt, je höher der erwartete Nutzen, desto höher kann bzw. darf der aus der Spende resultierende Mehraufwand ausfallen. Bei einer Spende von verdreckten und zerfetzten Textilstücken stellt sich dagegen die Frage, inwiefern diese überhaupt den Aufwand eines Waschgangs wert ist. Ein Waschgang hätte ein negatives Verhältnis zum Nutzen. Beide Aspekte stehen also in einem positiven Korrelationszusammenhang zueinander. Eine freiwillige Zuwendung, welche die beiden Kriterien Nutzen und (Mehr)aufwand nicht erfüllt, ist folglich - nach oben beschriebener Definition - eine Unspende.

Die Frage, welche Botschaft Spender*innen mit solchen Unspenden senden (wollen) und ob es lediglich das Ergebnis von Gedankenlosigkeit ist, oder aber ob tiefere negative Motive dahinterstehen, muss hier offen bleiben.

Martin Weimann (Caritas GDL Friedland)

[1] Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Spende; https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/spenden-46096.

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